Roboterentnahme mit kavitätengetrennter Ablage
Eine Grundphilosophie innerhalb unserer Spritzgussproduktion ist die Roboterentnahme und die damit verbundene kavitätengetrennte oder nestseparierte Ablage der gespritzten Teile in Behälter, in der Regel sind dies Klapp-KLTs, bei Bedarf auch mit Trays. Beides bietet einen Mehrwert für die Qualität der Produkte und für die Prozesssicherheit der Abläufe und wird in nahezu sämtlichen Kundenprojekten mit wenigen Ausnahmen so durchgeführt.
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Mehr InformationenDie Vorteile im Überblick:
- Teile fallen nicht frei in Behälter, sondern werden kontrolliert entnommen und abgelegt, daher keine Beschädigungen oder Verschmutzungen
- Kontrollierte Entnahme von QS-Teilen, Angüssen und Anfahrteilen
- Nestseparierte Ablage für Rückverfolgbarkeit im Fehlerfall
- Kontrollierte Entnahme und Entsorgung von Schlechtteilen
- Geringere Ausschusskosten, da Gut- und Schlechtteile klar getrennt werden
- Präzise Liefermengen dank Bauteiltracking
Roboterentnahme, um Beschädigungen zu vermeiden
Die überwachte Entnahme der gespritzten Komponenten entweder durch 5-Achs- oder 6-Achs-Roboter oder per Linear-Handling-System praktizieren wir bei RKT von Beginn an. Warum? Einfacher ist das Prozedere, wenn die fertigen Teile frei in darunterstehende Behälter fallen. Dabei können sich die spritzfrischen, noch warmen Teile jedoch Beschädigungen oder Verschmutzungen zuziehen, landen aber im selben Behälter wie die Gut-Teile und müssten sortiert werden. Möglich wäre auch, dass sich bei mehrkavitätigen Werkzeugen einzelne Teile nicht entformen lassen und hängenbleiben, sodass sich diese Kavität im Anschluss nicht mehr füllen lässt mit entsprechenden Folgen für die anderen Kavitäten, z. B. Überspritzung.
Per gesteuerter Roboterentnahme vermeiden wir Beschädigungen und Verschmutzungen an den fertigen Bauteilen. Sie werden häufig mit Hilfe von Vakuumtechnik sicher entnommen und kontrolliert abgelegt. Ebenso wird durch die Robotertechnik sichergestellt, dass nichts in den Formen verbleibt und auch die Angüsse mit entnommen werden. Darüber hinaus lässt sich auch programmieren, nach gewissen Schusszahlen TGS- und QS-Teile zu entnehmen und separat abzulegen.
Auch Bauteile, die während eines Anfahrzyklus gespritzt werden, können per Roboter gezielt aussortiert werden. Dies ist nötig, da das Granulat z. B. während einer Wartung länger in der Schnecke und im Heißkanal steht und abhängig vom Material möglicherweise degeneriert. Während des nächsten Anfahrzyklus werden aus diesem eventuell thermisch geschädigten Material zwar Teile gespritzt, aber gleich als Ausschuss entsorgt, bis das zu lange in der Spritzeinheit verweilende Material verbraucht ist.
Nestseparierung für stabile Produktqualität
Die Unversehrtheit der Komponenten ist ein zentrales Argument für die Roboterentnahme, das andere ist die Möglichkeit, die Teile kavitätengetrennt ablegen zu können. Beispielsweise werden bei einem vierkavitätigen Werkzeug sämtliche Teile aus der ersten Kavität oder dem ersten Nest in Box 1 gesammelt, die Teile der zweiten Kavität in Box 2 usw. Mehrere kleine Gebinde der verschiedenen Nester mit definierten Stückzahlen ergeben dann das finale Gebinde, das an den Kunden geliefert wird. Bei der Entnahme wird die Anzahl der Teile mitgezählt, sodass die Liefermenge genau nachvollziehbar ist. Dank der Zählung kann zudem keine Wartung versäumt werden, da die Maschine nach einer festgelegten Schusszahl die Wartung anmahnt. Würde diese ausbleiben, kommt es zum Stillstand der Maschine, bis die Wartung erfolgt ist.
Die Separierung der Teile wird vor allem dann wichtig, wenn ein Fehler auftritt. Bei hochkavitätigen Werkzeugen, die für hohe Bauteilstückzahlen ausgelegt sind, kommt es auf eine stabile, störungsfreie Fertigung an. Wenn eine Kavität jedoch eine Beschädigung aufweist, sodass das jeweilige Kunststoffteil nicht fehlerfrei gespritzt wird, sind nur die Teile in dem jeweiligen Nest betroffen und werden durch die Nestseparierung direkt als Ausschuss in einen Behälter aussortiert. Alle anderen Behälter beinhalten die Gutteile aus den anderen Kavitäten und können ausgeliefert werden. Es ist keine Sortierung nötig. Darüber hinaus kann in diesem Fall, also mit einer beschädigten Kavität im Werkzeug, weiterproduziert werden, wenn bestimmte Liefermengen und -termine einzuhalten sind – nur das jeweilige Nest wird aussortiert und die Reparatur kann dann vorgenommen werden, wenn es innerhalb des Produktionsprozesses passend ist. Wenn hingegen bei einer Fertigung ohne kavitätengetrennte Ablage ein Fehler bemerkt wird, müssen sämtliche produzierten Teile der Charge sortiert oder insgesamt entsorgt werden und die Produktion angehalten, um den Fehler zu finden und zu beseitigen.
Neben der Roboterentnahme nutzen wir z. B. bei unserer Fertigung mit hochkavitätigen 128-fach-Werkzeugen ein Linear-Handling-System zur Entnahme, das ähnlich funktioniert. Die Teile werden ebenfalls kontrolliert und vakuumbasiert entnommen und TGS-Teile, QS-Teile, Angüsse und Anfahrteile separiert. Die mit diesem Handlingsystem entnommenen Gutteile werden direkt als Schüttgut in einer Gutteil-Box gesammelt. Über das First-in-first-out-Prinzip ist hier die notwendige Rückverfolgbarkeit gewährleistet. Zudem ist es mit diesem Linear-Handling möglich, wenn eine bestimmte Kavität einen Fehler aufweist, dieses Teil bei der Entnahme separat zu entsorgen.
Mehrwert für Medizintechnik und Life Science
Mit dieser Entnahme- und Ablage-Methodik garantieren wir unseren Kunden insbesondere aus Medizin und Life Sciences einen kontrollierten, reproduzierbaren und stabilen Prozess sowie Verlässlichkeit. Ausschusskosten werden signifikant gesenkt.
Anzumerken ist, dass sich durch die Roboterentnahme die Taktzeiten der Produktion gegenüber einer freifallenden Fertigung etwas verlängern können (ca. 1 bis 1,5 Sekunden). Die Vorteile im Hinblick auf die Qualitätssicherung überwiegen für uns jedoch, sodass wir die Roboterentnahme und Nestseparierung bei fast allen Fertigungen praktizieren.



