Kunststoffspritzguss unter Reinraumbedingungen

MedizinReinraum
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Die Fertigung medizintechnischer Komponenten unterliegt hohen Hygieneanforderungen. Viele Kunststoffbauteile, die im Spritzgussverfahren hergestellt werden, vom Insulinpen über die Nadelschutzsysteme bis hin zu komplexen mikrofluidischen Testträgersystemen, erfordern dabei Reinraumbedingungen der ISO-Klasse 7 bzw. GMP-Klasse C.

RKT-Redaktion in Zusammenarbeit mit
der Leitung Qualitätssicherung

Welche Herausforderungen beim Spritzguss und der anschließenden Montage und Verpackung in der Serienfertigung zu meistern sind, welche Prozesse und Kontrollmechanismen erforderlich sind, zeigt dieser Beitrag auf.

Subthemen dieses Artikels finden Sie in komprimierter Fassung hier: Reinraumproduktion nach ISO 8 und ISO 7, Reinraum vorhalten außerhalb von Produktionszeiten und Verhalten im Reinraum.

Die Rodinger Kunststoff-Technik GmbH ist darauf spezialisiert, anspruchsvolle Medizinkomponenten unter Reinraumbedingungen im Kunststoffspritzgussverfahren herzustellen. Die Grundbedingungen hierfür wurden im Jahr 2006 mit der Realisierung der Produktion der ersten medizinischen Bauteile und der damit einhergehenden Etablierung eines ISO-8-Reinraums am Standort Roding etabliert. Es handelte sich zunächst um eine Kundenanforderung für die Fertigung von Kunststoffteilen für Insulinpens.

Neue Produktionsbedingungen unter ISO 7

Die Folgeprojekte wurden komplexer und so wurde 2005 der erste ISO-7-/GMP-Klasse-C-Reinraum für die Fertigung von Nadelschutzsystemen für die Diabetestherapie implementiert, der auch eine offizielle Qualifizierung nach ISO 14644-1 erforderte. Im ISO-7-Reinraum sind 352.000 Partikel pro Kubikmeter Luft erlaubt, mit einer Größe von ≤ 0,5 µm. Dies bedeutete neue Herausforderungen und eine Verschärfung der bisherigen Gegebenheiten. Es galt, einen Weg zu finden, Teile, die in einer Spritzgussmaschine gefertigt wurden, in einen Reinraum zu überführen, ohne Kontaminationen mit einzubringen. Zudem waren die Spritzgussmaschinen selbst zum damaligen Zeitpunkt nicht besonders reinraumtauglich. Es handelte sich vornehmlich um hydraulische Maschinen, die u. a. mit Öl betrieben wurden. Dies bedeutete potenzielle Verunreinigungen. Inzwischen gibt es spezielle Reinraummaschinen, die auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt sind. Es handelt sich dabei um elektrische Maschinen, die wassergekühlt sind und dadurch keine Lüfter benötigen, die Verwirbelungen im Raum verursachen würden.

Die Lösung für die damaligen Spritzgussmaschinen war, die Maschine außerhalb zu platzieren und mit einem entsprechenden Schutzkonzept in den Reinraum hinein produzieren zu lassen – was nach wie vor auch mit den modernen Maschinen gängige Praxis ist – abhängig von der Reinraumklasse. Alle Wartungen, alle partikelerzeugenden Tätigkeiten konnten und können so bequem außerhalb des Reinraums vorgenommen werden. Techniker und Werkzeuge müssen somit nicht eingeschleust werden. Die Spritzgussmaschine ist an den Reinraum angedockt. Von der Reinraumseite her ist ein Roboter positioniert, der die Teile aus dem Werkzeug entnimmt und im Reinraum ablegt. Der kritische Punkt ist die Verbindung bzw. Öffnung zwischen beiden Bereichen; hier ist dafür zu sorgen, dass keine Verschmutzungen in den Reinraum hineingelangen, was mit einer Laminar-Flow-Box über dem jeweiligen Bereichen gewährleistet wird. Diese erzeugt eine laminare Strömung, d. h. die nach unten strömende Luft fließt in parallelen Stromlinien. So werden Partikel vom parallelen Luftstrom erfasst und nach außen befördert.

Systematisches Ankleideprozedere in der Personalschleuse.
© Rodinger Kunststoff-Technik GmbH

Ein weiterer Grund für die Platzierung der Spritzgussmaschinen außerhalb des Reinraums sind zudem Verwirbelungen, die durch die relativ schnellen Bewegungen des Werkzeugs in der Maschine bei der Herstellung der Teile entstehen können. Grundsätzlich gilt es, im Reinraum schnelle Bewegungen, ob durch Mensch oder Maschine – zu vermeiden, um eben keine Partikel aufzuwirbeln, die sich dann wieder auf Oberflächen und letztlich dem Produkt absetzen können.

Je mehr potenziell kritische Vorgänge außerhalb des Reinraums stattfinden können, je weniger Personen oder Dinge eingeschleust werden müssen, desto besser. Insofern war es ein Hauptaspekt bei der Planung, den Reinraumbetrieb so wartungsfreundlich und personenunabhängig wie möglich zu gestalten. Die Hauptkontaminationsquelle in einem Reinraum ist stets der Mensch. Je mehr Tätigkeiten eine Person im Reinraum durchführen muss, desto größer ist die Gefahr einer Kontamination. Im Falle der Nadelschutzsysteme wurde eine solche Autonomie der Anlage erreicht, dass nur noch alle zwei Tage eine Person in entsprechender Reinraumkleidung den Raum betritt und das Produkt in Doppelbeutel verpackt.

Das Prozedere der ersten Jahre hat sich bewährt und wurde so beibehalten, d. h. auch bei den Folgeprojekten und zwei weiteren ISO-7-/GMP-Klasse-C-Reinräumen, die aufgrund steigender Auftragsmengen etabliert wurden, blieb die Spritzgussmaschine außerhalb des eigentlichen Reinraumbereichs. Durch die weitgehend mannlose Fertigung und die Wartungsarbeiten außerhalb erreicht das Unternehmen sehr gute Werte in den entsprechenden Bereichen (siehe Diagramme unten unter „Gezieltes Monitoring“).

Neue Herausforderung: Analytenfreiheit

Eine neue Herausforderung kam mit der Anfrage für eine analytenfreie Fertigung von PCR-Testkartuschen hinzu. Der PCR-Test ermöglicht eine unmittelbare Ergebnisermittlung zum Nachweis von Erregern – unter anderem dem SARS-CoV-2-Erreger – in Laborqualität in weniger als einer Stunde. Bei den Mikrofluidik-Kartuschen werden feinste Strukturen beim Spritzguss erzeugt. Diese Kartuschen werden mit Reagenzien befüllt, die spezifisch z. B. auf SARS-CoV-2 ansprechen und eine vollautomatisierte Analyse direkt am Point of Care ermöglichen.

Bei der Fertigung geht es nicht nur um die Einhaltung bestimmter Partikelparameter, sondern insbesondere um die Vermeidung des Eintrags von Fremd-DNA oder -RNA. Grundsätzlich sind die Anforderungen an die Reinraumtechnik die gleichen wie bei dem Fokus auf Partikel. Damit jedoch die Luft die geforderte Sauberkeit und Analytenfreiheit erreicht, müssen bestimmte Filter eingebaut sein, die die Zuluft und auch die Luft innen regelmäßig filtern. Technisch ist es durchaus möglich, Mikroorganismen und Viren herauszufiltern, dennoch ist es problematisch, wenn die Keime schon ihren Weg in den Reinraum hinein gefunden haben. In der Regel geschieht dies über die menschliche Haut und ist schwer zu vermeiden. Um jedoch zu verhindern, dass die nicht erwünschte Ziel-Nucleinsäure-Sequenz der Erreger, die es mit den Testkartuschen später zu detektieren gilt, in den Reinraum gelangt, hat das Unternehmen strenge Maßnahmen für die Reinraummitarbeiter definiert: Jeder Mitarbeiter, der mit dem Produkt in Berührung kommt, wird mit seiner Einverständniserklärung auf den Ziel-Keim im Vorfeld getestet – im Fall der SARS-CoV-2-Erreger per täglichem Antigen-Schnelltest –, um sicherzustellen, dass kein Eintrag dieser Ziel-RNA hier erfolgen kann. Sollte ein Mitarbeiter mit dem Erreger belastet sein, erhält er ein Betretungsverbot für diese Fertigungszelle.

Die Planung eines Reinraums

Alles hängt vom Produkt ab, wenn es an die Planung und Ausgestaltung eines Reinraums geht. Der Kunde definiert in der Regel das Produktrisiko und die Hygieneanforderungen. Viele Kunden können sehr genaue Vorgaben zur Klassifizierung und weiteren Anforderungen machen, während manches Start-up-Unternehmen ohne Erfahrung in der industriellen Serienfertigung medizinischer Bauteile Expertise und Beratung seitens des Kunststoffspezialisten benötigt. Sind diese Grundanforderungen geklärt, kann die freie Produktionsfläche im Reinraum geplant werden. Möglicherweise gibt es besonders heikle Prozessschritte wie im Fall der PCR-Tests, bei der Analytenfreiheit die höchste Anforderung war. In diesem Fall wurde eine Sterilbank innerhalb des Reinraums vorgesehen, die mit UV-Licht arbeitet und in bestimmten Prozessschritten mittels des UV-Lichts Keime abtöten kann und so noch einmal eine weitere Sicherheitsstufe bedeutet. So lassen sich individuelle Lösungen finden und auf das jeweilige Produkt zuschneiden. Eine solche Werkbank-Lösung innerhalb eines bestehenden ISO-7-Reinraums ermöglicht zudem eine höhere Reinraumklassifizierung nach ISO 6 für die jeweiligen Fertigungsschritte.

Bei komplexeren Fertigungen, die mehrere Vorgänge wie den Spritzguss und die weitere Montage umfassen, ist es von Vorteil, wenn alle Arbeiten innerhalb eines Reinraums ohne Aus- und Einschleusen erfolgen können. Bei der Produktion einer Kartusche für eine Zelltherapie bei Leukämiepatienten sind diese verschiedenen Prozessschritte von den Platzkapazitäten her innerhalb eines Reinraums abbildbar, da das Produkt auf Abruf produziert und nicht auf Lager vorgehalten wird.

Andere Produkte, wie die PCR-Kartusche zur Detektion von SARS-CoV-2, werden aufgrund der unterschiedlichen Abrufmengen – im Sommer deutlich weniger als im Herbst/Winter – auf Lager produziert. Da aber saubere Lagerfläche innerhalb des Reinraums viel zu kostspielig wäre – die Unterhaltsbedingungen eines Reinraums bedeuten viel Energie, Strom und Aufwand –, müssen die vorproduzierten Kunststoffkartuschen, die erst später mit ihren biochemischen Reagenzien befüllt und einsatzfertig gemacht werden, zunächst verpackt und ausgeschleust werden, um außerhalb gelagert zu werden. Hierzu werden die Teile doppelbeutelverpackt und in Kunststoffbehältern im Hochregal eingelagert. Zur Weiterbearbeitung im nächsten Reinraum wird in der Materialschleuse innerhalb des definierten Einschleusprozederes der äußere Beutel entfernt und der innere Beutel mit dem Bauteil kann in den Reinraum eingebracht und dort geöffnet und weiterverarbeitet werden. Der Reinraum wird also immer ausschließlich als Produktionsfläche, nicht aber als Lagerfläche geplant und genutzt.

Besondere Prozessschritte: Lyophilisate

Neben der Partikel- und Analytenfreiheit kommen bei der Herstellung von Medizinprodukten wie auch den PCR-Tests weitere Anforderungen hinzu, die im Reinraum geregelt werden müssen: die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur. In die mikrofeinen Kanäle der Testkartuschen werden Lyophilisate eingebracht, gefriergetrocknete Substanzen, die später bei der Testung mit dem Probenmaterial der Testperson reagieren sollen. Lyophilisate sind extrem brüchig und hygroskopisch. Beträgt die Luftfeuchtigkeit mehr als 50 Prozent, ziehen sie Wasser und lösen sich umgehend auf. Daher darf die Luftfeuchtigkeit im Reinraum nicht mehr als 50 Prozent betragen und eine Temperatur von 25 °C nicht überschritten werden. Zudem darf der jeweilige Behälter maximal zwölf Stunden geöffnet sein. Alles wird automatisiert überwacht, die Zeiten mitgestoppt. Das Produkt wird geöffnet, der Barcode gescannt und sollten die zwölf Stunden z. B. durch eine Funktionsstörung an der Anlage überschritten werden, wird die Fertigung automatisch gestoppt und diese Lyophilisate können nicht weiterverarbeitet werden. Bei derartigen Anforderungen an die Luftfeuchtigkeit kommt es auch auf den Arbeitsschutz an. Da bei den PCR-Tests weniger automatisiert abläuft und Mitarbeiter in den Fertigungsprozess involviert sind, darf die Luftfeuchtigkeit bestimmte Grenzwerte nicht unterschreiten bzw. müssen die entsprechenden Arbeitsschutzrichtlinien eingehalten werden.

Das Austarieren der optimalen Luftfeuchtigkeit ist nicht trivial. Die Feuchtigkeit im Raum zu erhöhen ist dabei weniger problematisch als die Entfeuchtung. Der Entfeuchtungsprozess ist aufwendig, da die Luft erst einmal erhitzt werden muss, durch einen Abkühler wieder heruntergekühlt wird und so Kondenswasser abscheiden kann. Bei wetterbedingter hoher Umgebungsfeuchtigkeit laufen Trocknungsanlagen während der Produktion auf Hochtouren.

Tyvekfolie
© Rodinger Kunststoff-Technik GmbH

Besondere Prozessschritte: Verblisterung mit Tyvek-Folie

Alle Maßnahmen, die im Reinraum erfolgen, dienen dazu, das zu fertigende Produkt vor Kontamination mit Partikeln oder Keimen zu schützen. Für die Kartusche, die im Rahmen der Leukämie-Therapie eingesetzt wird, ist dieser Aspekt besonders sensibel, da bei dem therapeutischen Verfahren gentechnisch verändertes Zellmaterial in einem Durchflussverfahren in den Körper der Patienten eingebracht wird, das dann Krebszellen erkennen und eliminieren soll. Verunreinigungen könnten hier schwerwiegende Folgen wie zusätzliche, lebensbedrohliche Infektionen für die bereits immungeschwächten Personen haben. Insofern kommt es bei diesem Produkt auf eine strenge Einhaltung aller Parameter an.

Wichtig ist die Sterilisation der Produkte, die jedoch erst nachgelagert beim Kunden erfolgt. Um diesen Schritt kontaminationsfrei nach Ausschleusen aus dem Reinraum zu ermöglichen, wird die Kartusche nach der Montage in einem Kunststoffbehälter mit einer sogenannten Tyvekfolie verblistert. Diese Folie ist für Partikel und Keime undurchlässig, aber ein Sterilisationsgas wie Ethylenoxid kann eindringen und wieder austreten. Somit kann die Kartusche unproblematisch beim Kunden in ihrer Primärverpackung sterilisiert werden.

Erfolgsfaktor Mensch

Insgesamt kommt es bei der Reinraumfertigung auf ein hohes Engagement der Mitarbeiter an. Wenn Mitarbeiter sich mit den Reinraumanforderungen identifizieren, spiegelt sich dies auch in unauffälligen Monitoring-Ergebnissen wider. Ein/e Hygienemanager/in kontrolliert regelmäßig vor Ort die Einhaltung der Reinraumregeln und bestätigt ein hohes Maß an Disziplin bei den Kolleginnen und Kollegen. Die Anforderungen sind hoch: Ab Tag eins gehören Schulungen für neue Mitarbeiter zum Arbeitsalltag. Allein das korrekte Anlegen der Schutzkleidung, ohne dabei die Außenseiten der Anzüge bereits zu kontaminieren, will geübt sein. Auch die langsamen und gleichmäßigen Bewegungen, die die Arbeit im Reinraum erfordert, müssen antrainiert werden. Das Ablegen persönlicher (Schmuck-)Gegenstände oder die Einhaltung einer gewissen Abklingzeit nach dem Rauchen zur Vermeidung von Nikotinpartikeln gehören ebenfalls zu den obligatorischen Verhaltensweisen im Reinraum.

© Rodinger Kunststoff-Technik GmbH

Gezieltes Monitoring und jährliche Qualifizierung

Je nach Reinraumklasse werden beim Monitoring Partikel oder Keime überwacht. In einem ISO-7-Reinraum geht es um die Vermeidung von Partikeln und Schmutz. Bei der GMP-Klasse C geht es darüber hinaus darum, die Keimbelastung zu begrenzen. Grundsätzlich unterscheiden sich für die beiden Klassen weder die Reinraum- und Lüftungstechnik noch das Ankleidekonzept. Die Messungen, die angestellt werden müssen, unterscheiden sich jedoch elementar. Die ISO-7-Reinräume des Unternehmens sind sowohl partikel- als auch keimgeprüft, da so verschiedene Bauteile je nach Anforderung hier gefertigt werden können. Für ISO 7 sind Luftpartikelmessungen ausschlaggebend. Das Partikelmessgerät wird hierzu im Reinraum platziert, zieht die Luft ein und wertet aus, wie viele Partikel pro Kubikmeter in der Luft enthalten sind. Je nach Reinraumgröße müssen mehrere Messpunkte innerhalb des Reinraums ausgewertet werden.

Die Keimbelastung für GMP-Klasse C zu beurteilen, ist etwas aufwendiger. Für Abklatschproben werden im Reinraum bestimmte Probenplätze mittels risikobasiertem Ansatz definiert, an denen Agarplatten als Nährboden aufgebracht werden. Diese werden im Labor einige Tage bebrütet, um zu kontrollieren, ob die koloniebildenden Einheiten (KBEs) sich im definierten Rahmen bewegen.

Für die Beurteilung der Abklatschtests gibt es einen definierten Rahmen von null bis 25 KBEs. Das Unternehmen hat zudem eine eigene Obergrenze von 15 definiert. Sollte diese Grenze beim Abklatschtest erreicht werden, würden die Mitarbeiter entsprechend eingreifen und weitere Maßnahmen zur Dekontamination veranlassen. Das Diagramm zeigt am Beispiel einer Tischoberfläche in Reinraum 1 den erfreulichen Verlauf einer Messreihe mit Werte nahe Null. Lediglich in einem begrenzten Zeitraum gibt es einen Ausreißer auf 4 KBEs, die auch noch deutlich unter der eigenen Grenze von 15 liegen.
Hinzu kommt für das Keimmonitoring, die Keimbelastung in der Luft zu prüfen. Dazu wird ein Luftkeimsammler eingesetzt, in dem sich ebenfalls eine Art Nährboden befindet. Die Luft wird eingesaugt und das Gerät wertet die Konzentration an Keimen in der Luft aus. Der Toleranzbereich besteht von Null bis 100 KEBs, während das Unternehmen für Handlungsbedarf 50 als kritische Grenze definiert hat. Die Auswertungen für die Reinraummitte zeigen sehr gute Ergebnisse und nur geringe Belastungen bis zu 20 KBE.
Bei der Partikelmessung ebenfalls in der Reinraummitte geht es um die Partikelanzahl pro Kubikmeter, die die Grenze von 3.520.000 Partikeln mit einer Größe >= 0,5 µm für einen Reinraum der Klasse ISO 7 (in operation) nicht überschreiten darf. Die kritische Grenze befindet sich nach Unternehmensdefinition bei 2 000.000 Partikeln pro Kubikmeter und wird nicht annähernd erreicht. Vielfach ergaben die Messungen eine Partikelanzahl nahe Null.

Zusätzlich zu den Regelmonitorings ist bei ISO-Klasse 7 eine jährliche Qualifizierung nötig, die ein externes Unternehmen durchführt. Unter anderem wird jeder einzelne Filter geprüft und ein Filterintegrationstest durchgeführt. Dabei werden von außen gewisse Luftpartikel auf den Filter aufgebracht und kontrolliert, wie viele Partikel im Reinraum tatsächlich ankommen. Der Filter muss 99,998 Prozent aller Partikel herausfiltern. Bereits bei einer Verschlechterung um 0,01 Prozentpunkte muss der jeweilige Filter getauscht werden. In der Regel haben die Filter eine Lebensdauer von ca. fünf Jahren, je nach Einsatzort.

Die Dokumentation

Neben dem Monitoring kommt auch der Dokumentation eine große Bedeutung zu. Über CAQ-Systeme werden alle Vorgänge getrackt und überwacht. Zum Abschluss der Produktion erfolgt eine Zertifikatslieferung an den Kunden, sowohl bei den PCR-Tests als auch bei der Kartusche für die Zelltherapie. Darin enthalten ist eine Checkliste: Passen alle Messwerte, sind die Maße des Bauteils korrekt, stimmten die Fertigungsbedingungen, Chargenrückverfolgbarkeit? All diese Aspekte werden vor dem Versand des Artikels an den Kunden noch einmal geprüft. Erst mit der Unterschrift des Zertifikatsbeauftragten wird das Bauteil tatsächlich freigegeben.

Ausblick

Kunststoffe bleiben aufgrund ihrer günstigen Eigenschaften, wie Biokompatibilität, chemische Beständigkeit oder Sterilisierbarkeit, ein zentraler Werkstoff für medizintechnische Bauteile. Im Spritzguss lassen sich diese kostengünstig in großen Stückzahlen herstellen. Die größte Herausforderung stellen dabei die strengen Hygienemaßnahmen dar, die Medizinprodukte je nach Anwendung benötigen.

Gerade bei neuen Produktideen kommt es oft darauf an, diese aus ihrem Entwicklungsstatus in eine industrielle Serienproduktion zu überführen – und das unter professionellen Reinraumbedingungen. Für jedes Produkt werden hierzu die individuell passenden Prozesse und Kontrollmechanismen aufgebaut, die eine kontaminationsarme Fertigung auch bei hohen Volumina ermöglichen. Insbesondere mikrofluidische Testkartuschen sind als sogenannte „Lab-on-a-Chip“ immer gefragter. Diese Minilabors können für den Nachweis verschiedenster Erreger angepasst werden und sind bei RKT bereits in der Weiterentwicklung.