Was grundsätzlich für den Einsatz von Kunststoffen in der Medizintechnik spricht, ist ihre Oberflächenbeschaffenheit – insbesondere in Laboranwendungen hat Kunststoff gegenüber Metall sowieso, aber auch gegenüber Glas die Nase vorn. Metall ist aufgrund der fehlenden Transparenz, aber auch wegen der sehr glatten Oberfläche und der hohen Temperaturleitfähigkeit nicht für Analysezwecke im Labor geeignet. Was Kunststoffe hier auch gegenüber Glas auszeichnet, ist ihre spezielle Oberflächenstruktur, an die Zellkulturen besser anhaften können. Um Zellen verschiedenster Art zu kultivieren, wird neben einem geeigneten Medium auch eine spezielle Oberfläche benötigt, an der die Zellen adhärieren können. Kunststoffe mit ihrer ebenen, für die speziellen Bedürfnisse der Zellen oder auch spezifischer Substanzen auslegbaren Oberflächenstruktur bieten Zellen einen guten Halt zum Binden. Bei sehr speziellen Zelltypen ist es auch einfach möglich, zusätzlich eine erforderliche Beschichtung auf den Kunststoff aufzubringen. Zudem ist die Herstellung von Objektträgern, Zellkulturflaschen oder Petrischalen aus Kunststoff wiederum kostengünstiger als die Herstellung aus Glas, weshalb Kunststoff als Laborstandard gilt. Bestimmte Objektträger können kaum wirtschaftlich aus Glas produziert werden, wenn z. B. kleine Kanäle in den Objektträger eingearbeitet werden müssen (bei bestimmten Zellmigrationsstudien notwendig). Die Formenvielfalt von Kunststoff bietet zudem viel Flexibilität für Laborequipment, je nach individueller Analyseanforderung.
Eine kleine Einschränkung gegenüber Glas besteht in der Transparenz von Kunststoffen. Diese ist nicht so ausgeprägt wie bei Glas, aber für Mikroskopie und Analysezwecke in der Regel vollkommen ausreichend. Wichtig bei der Herstellung von Kunststoff-Objektträgern sind die Qualität des Rohstoffgranulats und der Schmelzeaufbereitung in der Spritzgussmaschine, sodass dass sich keine Blasen, Einschlüsse oder Schlieren am Kunststoffteil bilden. Unter dem Aspekt der Arbeitssicherheit hat wieder der Kunststoff die Nase vorn, da Glas leichter bricht und schärfere Bruchkanten und Scherben ausbildet, sodass ein Kunststoffteil hinsichtlich Verletzungsgefahr die bessere Wahl ist.
Was für Laborprodukte vorteilhaft ist, die Formenvielfalt von Kunststoff, lässt sich auch in vielen anderen Branchen, in denen Metall vorherrschend ist, nutzen. Völlig frei ist die Formgebung auch bei Kunststoffen nicht, da die Entformbarkeit durch Entformschrägen zur unkomplizierten Entnahme aus den Werkzeugen gegeben sein muss.
Abgesehen davon sind jedoch sehr flexible Formen möglich, was auch in einem weiteren Projekt gefragt war: Da Magnete aus Metall in ihrer Formgebung eingeschränkt sind, wurde RKT für Magnete aus Kunststoff angefragt. Durch Hinzufügen magnetischer Metall-Füllstoffe, die später im Spritzgusswerkzeug durch starke Permanentmagneten die Magnetrichtung der Kunststoffteile definieren, konnten Kunststoffmagnete in verschiedenen Formen gefertigt werden – die aber, das muss einschränkend hinzugefügt werden, eine geringere magnetische Haltekraft als z. B. Stahl aufwiesen.
Ein weiteres Verfahren, um Formen individueller zu gestalten und metallische Eigenschaften einzubringen, ist die MID (Molded Interconnect Devices)-Technik, mit der es z. B. möglich ist, 3D- statt 2D-Leiterplatten zu spritzgießen. Im Zwei-Komponenten-Spritzgussverfahren werden ein beschichtungsfähiger und ein nicht-beschichtungsfähiger Kunststoff miteinander kombiniert und im Anschluss in einem galvanischen Verfahren mit einer metallischen Leiterbahn beschichtet. Auf diese Weise entstehen dreidimensionale Leiterplatten im Kunststoffspritzguss, die für bestimmte Anwendungen, z. B. bei einem ESP-Bremsregelsystem, besser eingesetzt werden können als ihre metallischen 2D-Entsprechungen.