RKT ist ISCC-PLUS-zertifziert

Ein Kundenprojekt gab den Anstoß: Seit Anfang 2024 führen wir das ISCC-PLUS-Label für zertifizierte Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie in der gesamten Lieferkette. Die ISCC-PLUS-Initiative setzt sich dafür ein, fossile Rohstoffe sukzessive durch wiederverwertbare, ökologisch nachhaltige Rohstoffe zu ersetzen. Was bedeutet das konkret für unsere Fertigungsprozesse? Wird ausschließlich nachhaltiger Kunststoff in unserer Produktion eingesetzt? Und was soll eigentlich nachhaltiger Kunststoff genau sein?

Die ISCC-PLUS-Zertifizierung wurde im Zuge eines Kundenprojekts für medizintechnische Bauteile realisiert (ISCC steht für „International Sustainability & Carbon Certification“). Für ein ISCC-PLUS-konformes Produkt aus nachwachsenden oder recycelbaren Rohstoffen muss die gesamte Lieferkette zertifiziert sein. Das Label kann in verschiedensten Branchen erworben werden, z. B. Nahrungs- und Futtermittel, Chemie oder Packmittel. Der Kunde muss sich als Inverkehrbringer eines Produkts darauf verlassen können, dass alle Projektbeteiligten – in unserem Fall vom Granulathersteller bis zum Spritzgießer – ISCC-PLUS-konform handeln. Das Zertifikat garantiert dabei eine lückenlose Rückverfolgbarkeit in der gesamten Lieferkette.

Nachhaltige Kunststoffe: recycelbar oder mit Grünstrom produziert

Die Kette beginnt beim Rohstoffhersteller, der ISCC-PLUS-konforme und somit nachhaltige Kunststoffe anbietet. Nachhaltig kann hier Verschiedenes bedeuten: Zum einen können neue Kunststoffgranulate aus Kunststoffabfällen erzeugt werden, also in einer Kreislaufwirtschaft wiederverwendet und neu aufbereitet werden. So wird der Einsatz neuen Rohöls verringert. Die Eigenschaften dieser Kunststoffe müssen zu 100 Prozent denen fossiler Rohstoffe entsprechen, um alternativ eingesetzt werden zu können.

Möglich ist auch, Kunststoffe unter Einsatz „grüner“ Energien wie Wasserstoff herzustellen. Auch diese Rohstoffe erhalten das Prädikat „nachhaltig“.

Das Mass-Balance-Verfahren

Um die Zertifizierung zu erhalten, müssen wir nachweisen, dass wir nachhaltige Rohstoffe aus dem Portfolio des ISCC-PLUS-ausgezeichneten Herstellers beziehen. Dies geschieht über ein Mass-Balance-Verfahren, das ähnlich funktioniert wie der Energiehandel. Wenn Grünstromzertifikate gekauft werden, geht es darum, den Anteil an der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu erhöhen. Letztlich fließt aber immer derselbe Strom durch die Leitungen, ob aus fossiler oder grüner Erzeugung. Jedoch kann durch immer mehr Grünstromzertifikate die fossile Stromerzeugung reduziert werden. Bei der Massenbilanzierung nach ISCC-PLUS verhält es sich ähnlich: Wir erwerben aus dem nachhaltigen Rohstoffportfolio des Herstellers entsprechende Credits. Im Wert dieser Credits können wir ISCC-PLUS-konforme Bauteile für unser Kundenunternehmen produzieren. Z. B. wird eine Tonne nachhaltiges Granulat eingekauft, das 1.000 Credits entspricht. Für 100.000 Teile werden 500 kg Material benötigt, sodass 500 Credits aus unserem Stock verbraucht werden und 500 Restcredits verbleiben. Aktuell gilt das Zertfikat bei RKT für folgende Kunststoffgruppen: POM (Polyoxymethylen), PP (Polypropylen) und PBT (Polybutylenterephthalat), die sich je nach Bedarf erweitern lassen.

Tatsächlich muss das eingekaufte Material kein Biokunststoff sein, sondern herkömmlich produziertes Granulat aus fossilen Rohstoffen – wie beim herkömmlichen Strom aus der Steckdose. Es geht bei dem ISCC-PLUS-Label um die Bilanzierung beim Ein- und Verkauf. Dadurch lässt sich bestimmten Produkten das ISCC-PLUS-Label zuordnen, auch wenn diesen fossiles Material in der Herstellung zugrundeliegt. Noch sind die Anteile an nachwachsenden und wiederverwertbaren Rohstoffen bei Herstellern und Unternehmen gering, doch wir sehen ein wachsendes Interesse bei Kundenunternehmen. Je mehr Firmen sich für nachhaltige Kunststoffe bei ihren Produkten entscheiden, desto höher kann sowohl unser als auch der Herstelleranteil an nachwachsenden Rohstoffen zur Etablierung einer Kreislaufwirtschaft steigen.

Hohe Zertifizierungsanforderungen

Hinter der Zertifizierung stand ein nicht unerheblicher Aufwand, da die Kriterien streng sind. Zahlreiche Prozesse mussten akribisch nachgewiesen werden, darunter der Beschaffungsprozess, der Warenein- und -ausgang, die Produktionsprozesse und die Mitarbeiterqualifikation. Viele Anforderungen waren durch unsere bestehenden Managementsysteme bereits etabliert. Die Massenbilanzierung war jedoch neues Terrain und musste in unsere Prozesse und Schulungen aufgenommen werden. Insgesamt ein Jahr arbeitete ein kleines Projektteam um Alex Winkler, Leiter Integrierte Managementsysteme und Nachhaltigkeitsbeauftragter, an der ISCC-PLUS-Zertifizierung.

Da nachhaltiges Handeln zu unserer Unternehmens-DNA gehört, war kurz nach der Kundenanfrage klar, dass der ISCC-PLUS-Ansatz zu unserem Unternehmen passt. Wir möchten gemeinsam mit unseren Kunden Vorreiter sein, damit diese in bestimmten Segmenten die ersten vollkommen „grünen“ Medizintechnikprodukte anbieten können.

Ihr ISCC-PLUS-Projekt

Wenn Sie sich für die Möglichkeit, ISCC-PLUS-konforme Produkte herzustellen, interessieren oder mehr über das Konzept, Voraussetzungen und Kosten erfahren möchten, wenden Sie sich gern an Alex Winkler: Alex.Winkler@rkt.de .

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