Werkzeugverlagerungen betreibt RKT in zwei Richtungen: Kunden stellen uns ihr Spritzgusswerkzeug bei, mit dem wir ihre Bauteile spritzgießen, oder sie beauftragen uns mit der Erstellung eines Werkzeugs, das sie auf ihren eigenen Spritzgussmaschinen zur Fertigung nutzen.

Die internationale Werkzeugbereitstellung geht bei unseren Leistungen und Services über die unter Werkzeugverlagerung beschriebenen Prozessschritte hinaus. Bei internationalen Werkzeugverlagerungen können wir unsere hohe Flexibilität besonders unter Beweis stellen.

Gewährleistung eines stabilen Prozesses

Bei internationalen Werkzeugbeistellungen geht es immer um die Sicherstellung eines stabilen Prozesses – aus guten Gründen: Sollte das von uns in Roding angefertigte Werkzeug auf den Kundenanlagen im Ausland nicht adäquat funktionieren oder nach kurzer Zeit ausfallen, wären aufwändige Rücksendungen und Nachbesserungen nötig oder die Abordnung eines RKT-Teams zur Problembehebung am Kundenstandort erforderlich. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, von vornherein einen langfristig reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Dazu gehören die Herstellung eines präzisen Werkzeuges für die jeweilige spezifische Spritzgussmaschine des Kunden und wahlweise die Begleitung der Implementierung vor Ort oder aber die Validierung des Prozesses bei uns, der dann auf die Kundenmaschinen transferiert wird. Bei Bedarf führen wir im Ausland Mitarbeiterschulungen durch und unterweisen die Wartung und Instandhaltung der Werkzeuge in festgelegten Intervallen vor Ort. Hierzu nutzen wir ein im Vorfeld bei RKT erstelltes Mould-Manual, intern auch Pixi-Book genannt, in dem die Vorgehensweise bei der Werkzeugwartung detailliert beschrieben ist.

Use Cases aus der internationalen Werkzeugverlagerung

Internationale Werkzeugverlagerungen führten uns u.a. bereits nach Tschechien, Dänemark, China, Israel und Indien. Jeder Auftrag in diesem Bereich hat sehr individuelle Anforderungen. Einige Projektbeispiele geben einen Einblick, wie internationale Werkzeugverlagerungen ablaufen können:

Israel/Indien: Kunststoffteile für Bewässerungssystem

RKT betreute ein Projekt zur Bewässerung in der Landwirtschaft in Israel, wo jeder Tropfen Wasser kostbar und deshalb möglichst sparsam zu bewässern ist. Unser Kunde etablierte ein weit verzweigtes Bewässerungssystem aus Schläuchen und sogenannten Drippern. Diese Kunststoffteile, die mit Hilfe von Ultraschalltechnologie in die Schläuche eingeschweißt wurden, ermöglichen, dass tropfenweise Wasser abgegeben wird. In dem Fall waren die Dripper so konstruiert, dass Verschmutzungen im Wasser, wie kleine Sandkörner, die Dripper nicht zusetzen und verstopfen konnten. Durch Verwirbelungen wurde eine selbstreinigende Wirkung erzielt und der Sand mit ausgespült.

Für diese speziellen Kunststoffteile wurde ein sehr präzises Hochleistungswerkzeug benötigt, das in einer Zykluszeit von 2,3 Sekunden Teile produzierte. Begonnen wurde mit einem Vierfach-Vorserien-Werkzeug, das anschließend hochskaliert wurde. Die Ausbaustufe war ein 32-kavitätiges Werkzeug, das alle 2,3 Sekunden in 24/7 32 Komponenten produzierte (ca. 1,1 Mio. Teile pro Tag).

Die eigentliche Produktion war ursprünglich in Israel geplant. Der Prozess wurde bei RKT so ausgelegt und validiert, dass ein prozessstabiler Betrieb in Israel gewährleistet war. Zu diesem Zweck stellte der Kunde sämtliches Equipment inkl. Spritzgussmaschine bei RKT bereit. Der israelische Projektleiter begleitete mit uns die komplette Inbetriebnahme und Validierung, bis alle Prozessschritte so gewährleistet waren, dass das Projekt nach Israel verlagert werden konnte. In diesem Zuge wurde auch eine Highspeed-Kamera etabliert, um das Fallbild der Kunststoffteile beim Herausfallen aus dem Werkzeug zu überprüfen und zu optimieren.

Bei der ersten Anlage und den ersten Werkzeugen schickten wir u. a. ein Bedienerhandbuch (Mould Manual bzw. Pixi Book) sowie Schulungs- und Wartungspläne mit; für die höherkavitätigen Werkzeuge auf weiteren Anlagen wurden wir beauftragt, auch die Erstinbetriebnahme vor Ort zu überwachen und Mitarbeiter zu schulen.

Die Investition in die Hochleistungswerkzeuge samt Prozessvalidierung sowie Inbetriebnahme und Schulung vor Ort zahlte sich für den Kunden aus, da mit den Werkzeugen mehr als 30 Millionen Schuss (ca. 1 Mrd. Teile) produziert werden konnten, ohne dass die Werkzeuge ausfielen oder größere Instandhaltungen durchgeführt werden mussten. Die ursprüngliche Erwartungshaltung des Kunden waren 12 bis 15 Millionen Schuss, bis ein Werkzeug getauscht werden muss. Somit konnten mit unseren Werkzeugen mehr als doppelt so viele Teile, wie vom Kunden gefordert, produziert werden.

Projektadaption von Israel nach Indien

Nachdem ein indischer Investor in die israelische Firma einstieg, wurde RKT beauftragt, neue Dripper-Werkzeuge von Deutschland nach Indien zu verlagern. Das Prozedere war das Gleiche: Bereitstellung von Spritzgussmaschine und Equipment in Deutschland, Werkzeugerstellung und Prozessvalidierung bei RKT und schließlich Verlagerung nach Indien. Es gab einen engen Austausch mit den indischen Mitarbeitern, die zunächst eine Delegation zu RKT nach Roding schickten, um den Prozess vor Ort zu verstehen. Entsprechend unseren Vorgaben wurde die Produktionsstätte in Indien vorbereitet, wo schließlich ein Experten-Team von RKT die Inbetriebnahme unterstützte. Mit einem Containerschiff wurde die hiesige Anlage samt Peripherie und Werkzeug nach Indien transportiert.

Die indischen Mitarbeiter wurden von uns unterwiesen, um auch die Wartung und Instandhaltung der Werkzeuge in den festgelegten Intervallen vor Ort in Indien selbstständig durchführen zu können.

Tschechien: Prozessvalidierung für Medizintechnikkomponenten

Die Aufgabenstellung bestand in diesem Fall nicht nur in der Erstellung eines Spritzgusswerkzeugs und Inbetriebnahme auf der Anlage vor Ort, sondern darin, den gesamten Spritzgussprozess nach den Vorgaben in der Medizintechnik zu validieren und komplett zu übergeben. RKT konstruierte /baute acht Werkzeuge und der Kunde aus dem Medizintechnikbereich stellte drei Spritzgussmaschinen samt Peripherie bei uns bereit. Der Spritzgussprozess für diese Werkzeuge wurde mit Hilfe einer DoE definiert und validiert, um eine Produktion innerhalb eines stabilen Prozessfensters zu gewährleisten. Dieses Prozessfenster vermittelt den Mitarbeitern, innerhalb welcher Spritzparameter sie sich bewegen dürfen, damit maßlich korrekte Bauteile produziert werden können. Bei RKT wird dieses Prozedere intern schon seit ca. 15 Jahren angewendet. Diesen entsprechend den Medizinvorgaben validierten Prozess übergaben wir final an den Kunden, damit er in Tschechien störungsfrei produzieren konnte.

Dänemark: Prozesstransfer für medizinische Komponenten mit Batch Release

Für einen Kunden aus dem Pharmasektor produzieren wir medizintechnische Komponenten im Spritzguss. Die Werkzeuge wurden vom Kunden beigestellt und in seinem Heimatland Dänemark gebaut. Das Besondere: Wir begleiteten die dänischen Werkzeugbauer während der Konstruktion der Werkzeuge und der Inbetriebnahme sowie während der Prozessvalidierung, um den Prozess dann ideal auf unsere für die Spritzgussserienfertigung angeschafften Spritzgussmaschinen zu transferieren. Bei diesem Transfer etablierten wir eine neue Prozessmethode, den Batch Release. Durch umfangreiche Sensorik, die Aufzeichnung sämtlicher Prozessparameter und die Festlegung definierter Toleranzbereiche entstehen gleiche Bauteile innerhalb der vorgegebenen Spezifikation. So wurde unter anderem mit einem Druckaufnehmer der Firma Kistler während der Validierung die Innendruckkurve im Werkzeug aufgenommen, um diese Daten anschließend zur Definition des Prozessfensters mitzuverwenden. Eine regelmäßige Stichprobenentnahme und maßliche Überprüfung im Rahmen der Qualitätssicherung ist nicht mehr nötig. Die Batch (Spritzgussproduktion mit einer Stückzahl von z.B. 100.000 Stück) kann anhand der digitalisierten Dokumentation der jeweiligen Produktionsparameter innerhalb der vorgegebenen Prozess- und Equipment-Toleranzgrenzen freigegeben werden. Eine ausführliche Beschreibung dieses Verfahrens finden Sie hier.

Werkzeugbereitstellung global

Wenn Sie an internationalen Standorten eine qualitativ hochwertige Spritzgussfertigung etablieren möchten, scheuen Sie nicht die Beauftragung des Werkzeugbaus und der Prozessfestlegung sowie der Validierung in Deutschland. Es lohnt sich, bei RKT ein hochpräzises Werkzeug konstruieren/bauen zu lassen und dieses von unseren Spritzgussexperten einfahren und den gesamten Prozess validieren zu lassen. Auf Wunsch übernehmen wir auch die Auswahl und Beschaffung der passenden Spritzgussmaschinen inklusive notwendiger Peripherie und Automatisation sowie die koordinierte Verlagerung der Produktion ins Ausland. Wir transferieren den Prozess dann an Ihren internationalen Standort, wo er stabil und zuverlässig läuft.

Foto von Stefan Preis

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Stefan Preis
Head of Project Business
S.Preis@rkt.de