Vorausschauende Wartung für hohe Prozessstabilität

Der Werkzeugwartung messen wir einen hohen Stellenwert bei, um im Rahmen unserer Predictive-Maintenance-Strategie den Zustand aller Maschinen, Werkzeuge und des Equipments zu kennen und rechtzeitig darauf reagieren zu können. So gewährleisten wir stabile Prozesse ohne größere Ausfälle und Stillstandszeiten. Ein eigenes Team aus acht Mitarbeitern kümmert sich mit viel Erfahrung und Spezialwissen ausschließlich um die Werkzeugwartung und -reparatur.

Grundsätzlich werden die Wartung und der jeweilige Wartungsplan auf Basis eines Standardwartungsplans ausgelegt und je nach Werkzeug individuell mit entsprechenden Punkten aufgrund des Werkzeugtyps und des verwendeten Kunststoffs ergänzt. Manche Kunststoffe, beispielsweise solche mit Additiven, sind wartungsintensiver, weil sie ausgasen und Beläge bilden und so häufiger eine Reinigung erfordern. Filigrane Werkzeuge, deren Konturen sich leichter zusetzen können, müssen häufiger gewartet werden. In der Regel bedeutet Wartung Reinigung und Begutachtung, nicht Reparatur oder Instandsetzung.

Die RKT-Wartungspläne sind in drei verschiedene Wartungsarten eingeteilt: A-Service, B-Service und C-Service:

A-Service: innerhalb der Spritzgussfertigung

Der A-Service findet nach einem festen Wartungsplan regelmäßig direkt an der Spritzgussmaschine statt, abgestimmt auf Produkt, Werkzeug und Kunststoff – das kann alle vier Stunden nötig sein, mindestens aber einmal pro Tag. Es handelt sich im Wesentlichen um eine Reinigung des Werkzeugs: Das Werkzeug wird in der Spritzgussmaschine geöffnet und je nach Verschmutzungsgrad von Belägen gereinigt. Die A-Service-Wartungen werden im Logbuch direkt an der Maschine dokumentiert.

Reinigung durch Trockeneisstrahlen
Nachfetten für den Verschleißschutz

B-Service: ausgebautes Werkzeug im Werkzeugbau

Wenn der B-Service nach einer definierten Schusszahl bei einem Werkzeug ansteht, wird das Werkzeug von der Spritzgussmaschine abgebaut und im Werkzeugbau zerlegt und begutachtet. Dies erfolgt einerseits nach einem Standardwartungsplan, der für alle Werkzeuge gleich ist, zum größeren Teil jedoch nach individuellen Festlegungen für das jeweilige Werkzeug. Bestandteile werden dann gründlich gereinigt und eventuelle Beschädigungen festgestellt. Wenn dabei auffällt, dass einzelne Teile oder Bereiche des Werkzeugs stärker beansprucht sind als andere, wird für diese Werkzeugbearbeitung eine gesonderte häufigere Wartung festgelegt. Beispielsweise wird das Gesamtwerkzeug nach 300.000 Schuss einem B-Service unterzogen, während die Düsenseite, wo der Kunststoff eingespritzt wird, bereits nach 100.000 Schuss gereinigt werden muss. Sämtliche Intervalle für alle Teile sind im ERP-System SAP hinterlegt und dokumentiert, ebenso die tatsächlichen Wartungsvorgänge, sodass alle Schritte nachvollziehbar sind, sollten Qualitätsprobleme bei Bauteilen auftreten.

Die Reinigung der Werkzeuge und Einsätze erfolgt mit verschiedenen Methoden. Neben üblichem Reinigungswasser lassen sich Beläge mittels Trockeneisstrahlen entfernen. Im Werkzeugbau besteht zudem die Möglichkeit, Teile in ein Ultraschallbad zu geben. Je nach Anforderungen können manche Einsätze auch mit Kunststoffstrahlen mit speziellen Kunststoffgranulaten gereinigt werden.

Reinigung
Ultraschallbad
Dokumentation der Wartung

C-Service: individuelle Analyse des Werkzeugzustands und der Verschleißteile

Ergänzend zum A- und B-Service bietet RKT auch einen C-Service an. Diese umfassende Form der Wartung ist nicht der Regelfall, kann aber individuell je nach Anforderungen an die Produktqualität und die Beanspruchung des Werkzeugs vereinbart werden. Ein C-Service bietet sich beispielsweise bei einem Dauerläufer-Werkzeug an, das ganzjährig rund um die Uhr produziert. So kann das Werkzeug dann einmal jährlich gründlich zerlegt und aufwendiger gereinigt werden. Auch die Kühlkanäle in den Formplatten werden hierbei überprüft und gereinigt, die Heizraten der Heißkanäle überprüft, sämtliche Teile auf Verschleißspuren kontrolliert und Daten sowie Kennzahlen analysiert und abgeglichen. Auf dieser Basis geben wir den Kunden Empfehlungen, bestimmte Teile zu ersetzen oder als Ersatzteile frühzeitig auf Lager zu legen, um sie im Verschleißfall direkt austauschen zu können.

Analyse der Verschweißteile
Reinigen und Entrosten

Wie werden die Intervalle für die Werkzeugwartung festgelegt?

Bei RKT gehen wir im Rahmen der Predictive Maintenance zunächst immer von einem konservativen Intervall aus, um nicht zu riskieren, dass die Produktqualität aufgrund von Verschmutzungen und Belägen abnimmt. Wenn nach einer konservativ festgelegten Schusszahl keinerlei Verschmutzungen oder Beeinträchtigungen im Werkzeug festzustellen sind, wird das Wartungsintervall anhand der Schusszahl erhöht. Es gilt, den optimalen Zeitpunkt zu finden, um die Wartung möglichst lange herauszuzögern, aber nicht zu lange, um keine Qualitätsprobleme zu riskieren. Eine Wartung bedeutet eine Unterbrechung der Produktion. Im Anschluss muss wieder angefahren und aufgeheizt werden, Anfahrteile müssen aussortiert werden, was alles Kosten verursacht. Insofern will der Wartungszeitpunkt klug gewählt sein – eine Herausforderung, die unser Wartungsteam mit viel Erfahrung meistert.

Ersatzteilmanagement

Das Ersatzteilmanagement ist ein fester Bestandteil unseres Ansatzes der vorausschauenden Wartung. Für jedes Werkzeug ist vermerkt, welche Bestandteile kritisch sind: Kerne, Schieber, Auswerfer etc. Diese werden auf Lager vorgehalten oder dann beschafft, wenn ein Wartungsplan einen baldigen Handlungsbedarf ergibt. Viele Ersatzteile sind bereits validiert, was gerade in der Medizintechnik erforderlich ist, um möglichst zeitnah weiterproduzieren zu können. Neben dem Ersatzteilmanagement für die Werkzeuge führen wir eine solche Überwachung und Vorhaltung von Ersatzteilen auch für die Spritzgussmaschinen und die zugehörige Peripherie durch – ebenfalls gesteuert durch unser Betriebssystem, damit Ausfälle und längere Unterbrechungen möglichst vermieden werden.

Reparaturen von Werkzeugen

Reparaturen, die sich bei den Wartungen als notwendig erweisen, führen wir nahezu ausschließlich selbst in unserem Werkzeugbau durch, beispielsweise durch das Schweißen von Teilen. Auch bei unseren Werkzeugen für Mikrostrukturen verfügen wir über das entsprechende Know-how, um diese Schweißarbeiten durchzuführen. Ob im Anschluss das gesamte Werkzeug oder nur die reparierten Bereiche neu validiert werden müssen und die ob Freigabe durch uns oder den Kunden erfolgt, wird individuell in Abstimmung mit der Qualitätssicherung festgelegt.

Bei ungeplanten Werkzeugausfällen, die schnell und außerplanmäßig behoben werden müssen, greift unsere Projekt-Clusterung im Shopfloor, in der wir priorisieren. Sollten bei einem ausgefallenen Werkzeug zum Beispiel Liefertermine in Gefahr sein, steigt die Priorität dieses Werkzeugs gegenüber anderen. Jeder Mitarbeiter sieht im System, wo die Prioritäten liegen, und die Aufgaben werden entsprechend verteilt.

Kontinuierlicher Verbesserungsprozess

Unsere Wartungsstrategie ist nicht starr, sondern wird kontinuierlich weiterentwickelt. Wir überwachen unsere Prozesse, hinterfragen und optimieren sie stetig. Die Einführung des risikobasierten Ersatzteilmanagements, die lückenlose Dokumentation aller Wartungen und Reparaturen im ERP-System und die Suche nach neuen Techniken, Materialien und Abläufen sind Teil des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses unseres Wartungskonzepts.